Lemmie

Mit dem roten Ankerkreuz, den Farben des Bistums Minden, sollen die Grafen von Pyrmont geehrt werden, deren Symbol dies ist. Das Bauerndorf wird durch die Pflugschar symbolisiert. - aus: wikipedia.de

Erstmalig wurde Lemmie in einer Urkunde des Papstes Innocenz erwähnt, als dieser im Jahr 1216 dem Kloster Loccum zwei Hufen Land (das sind 60 Morgen) in „Lemenithe“ übertrug.

Sprachforscher haben die frühen Erscheinungsformen des Ortsnamens „Lembde“, „Lemethe“ wie auch „Leminethe“ und „Lemenithe“ aus dem Grundwort „ethe“ bzw. „ithi“ für Heide und Waldgegend abgeleitet;  das „Lemm“ ist im weitesten Sinne aus „Lamm“ entstanden.

Das Rittergut zu Lemmie entstand, da ab 1852 Börries von Hattorf ein unverhofftes Erbe antreten konnte und davon sieben Höfe kaufte, um diese zusammenzuführen und daraus ein stimmberechtigtes Rittergut zu machen. Er erwarb die sechs Höfe zu Lemmie und einen größeren Hof in Sorsum.

Über von Hattorfs Tochter Amalie wurde die Familie von Ditfurth Erbe. Die historische Gartenanlage ist hochinteressant und jederzeit eine Führung wert.

 

Lithographie um 1905 - Gruss aus Lemmie, mit Gasthof "zur Post" von A. Rohde, Rittergut und Kapelle

Das Rittergut zu Lemmie

 

Das Gutshaus in Lemmie ist in der ersten Hälfte des vorigen Jahrhunderts etwa um 1830 erbaut worden, das kleine Kavalierhaus im Jahre 1850. Nach mündlicher Überlieferung soll dort in früheren Zeiten ein „Schloß“ gestanden haben. Es muß eingroßes und hohes Gebäude gewesen sein, das in der flachen Gegend weithin sichtbar war und in den Franzosenkriegen immer viel Militär angezogen hat. Dadurch hatten die damaligen Besitzer viel zu leiden und haben es dann kurz entschlossen abgerissen. Wahrscheinlich sind die letzten Reste davon noch in den kellern und dicken Fundamenten eines der jetzt stehenden Gebäude vorhanden.

 

aus: Fütterer:  Gehrden – Vom Flecken zur Großgemeinde, Gehrden 1991

1915 Rittergut Lemmie
Lemmie 1905 - Gasthaus zum Landhof, Mühle und Schule

Lemmie Kapelle

 

Die Kapelle ist das Juwel des Dorfes. Das genaue Baujahr ist nicht bekannt, umfangreiche Nachforschungen belegen aber, dass sie bereits 1593 bestanden hat. Die Inschrift der Glocke sagt, dass diese 1652 von Meister Ludolf Siegfriedt gegossen wurde. Es gibt jedoch in den Kirchenbüchern Belege, die eine Reparatur aus dem Jahr 1593 erwähnen, die an der ledernen Glockenaufhängung vorgenommen wurde.

1935 wurde die Uhr in den Glockenturm eingesetzt. Am 18. Oktober 1943 wurde infolge eines Bombenabwurfs die Rückwand der Kapelle stark beschädigt. Nach langen Überlegungen entschloss man sich gegen einen Abriss, und so wurde sie sorgfältig restauriert und am 17 Dezember 1966 eingeweiht.

1918 - Karte mit Gasthaus z. Post, A. Rode, Rittergut, Kirche und Bahnhof
1929 - Kriegerdenkmal
Der Lemmier Bahnhof.
Gaststätte M. Rohde, Kapelle, Ehrenmal und Bahnhof (1953)
1954 - Das Rittergut Lemmie.

Der Garten des Rittergutes Lemmie

Wilhelm-Hattorf von Ditfurth

(Auszug aus einem Vortrag von 1993)

 

Das Gut ist aus einem Meierhof hervorgegangen, der als Adelssitz damals von allen Abgaben befreit war. Wegen der Nähe zur Residenzstadt Hannover und der schönen Aussicht über das weite Calenberger Land war der Hof ein attraktiver Sommersitz. Von 1670 bis 1852 sind sechs verschiedene Familien als Eigentümer bekannt, darunter mehrere geschichtlich bedeutende Männer. 1852 erwarb mein Urgroßvater diesen und weitere Höfe, die nun des Rittergut Lemmie bilden. Unsere Familie ist die 7. Eigentümerin. In den zwanziger Jahren dieses Jahrhunderts hat das Gut durch Landverkäufe Einbußen hinnehmen müssen. 1943 wurde das Haus durch Bomben sehr beschädigt und die Wirtschaftsgebäude brannten ab. Die zugehörigen Felder sind heute an drei Landwirte sowie als Kleingarten, Fußballplatz und Reitanlagen verpachtet.

Die Geschichte des Gartens

Wann und von wem der ursprüngliche Garten des befreiten Meierhofes angelegt wurde, bleibt dunkel. Die Richtung der Garten-Hauptachse zeigt dorthin, wo früher das Schloß gestanden haben soll, von dem noch Kellergewölbe erhalten sind (jetziger Pferdestall). Als unsere Vorbesitzer ihren Wohnsitz von dort in ein Gebäude an anderer Stelle – an dem Platz des heutigen Gutshauses – verlegten war diese Beziehung zum alten Garten verloren. Vielleicht waren es auch Käufer, die bei den Ruinen des alten Schlosses einen wohl auch verwahrlosten Garten vorfanden. Dem Grundriß nach kann es ein barocker Ziergarten gewesen sein. Nun lag dieser Teil des Gartens seitab zum neuen Wohnhaus. Was lag näher, als die rechteckigen Flächen umzupflügen und zum Nutzgarten zu machen, während südlich vom neuen Gutshaus ein neuer kleiner Ziergarten entstand. Dies sind nur Vermutungen, für die jedoch eine gewisse Wahrscheinlichkeit spricht.

Mein Urgroßvater, der Eigentümer 1852 – 1899, hat sehr genaue Zeichnungen hinterlassen, so daß belegt ist, wann und wo der Garten später von ihm erweitert worden ist. Die Pläne zeigen, daß der Garten im 19. Jahrhundert in großen Teilen Nutzgarten war, die Lemmier Äpfel waren berühmt und ließen sich gut verkaufen. Es gab viele hundert Meter Rabatten, gerade Wege in den Hauptachsen und kleine geschwungene Wege zum Lustwandeln. Im Randgürtel des Gartens wuchsen einige Ziergehölze. Hierüber sagen die Pläne wenig, während Obstbäume in einer Zeichnung von 1898 genau erfaßt und von 1 bis 472 durchnumeriert sind.

Schon 1852 waren zwei Aussichtshügel im Garten vorhanden, nämlich der Lindenberg nach Osten und der Berg mit der später gebauten Grotte in Form einer Turmruine beim jetzigen Ausblick „Amalienruh“ nach Süden und Westen. Es gibt noch zwei weitere Grotten im Garten.

Mein dendrologisch interessierter Vater, der 1919 hier seinen Wohnsitz nahm, begann anstelle abgängiger Obstbäume interessante Parkbäume zu pflanzen. Er ließ im Süden und Westen die Gartenmauer mit dem Eckturm am „Eisenbahnberg“, dem überdachten Tor zum Bahnhof mit Sitzbänkchen, und mit dem Ausblick „Amalienruh“ errichten. Für den alten Nachbarn, den Urgroßvater des heutigen Besitzers, baute mein Vater einen Sitzplatz außen in die Südwestecke unserer Mauer. …

 

aus: Stadt Gehrden – Eine Stadt zum Entdecken 1995, in: Niedersächsisches Verwaltungsamt, Institut für Denkmalpflege, Arbeitsheft „Gartendenkmale in Niedersachsen, Dokumentation eines Kolloquiums 29./30.10.1993“, Auszug aus dem Vortrag auf Seiten 62 – 64

 

 

1965 Mehrbildkarte (Kapelle, Kolonialwaren Knickmeyer, Ehrenmal, Gaststätte zum Landhof)
Rittergut Einladungskarte
Die "vier Buchen" auf dem Kniggenberg.
Feuerwehrgerätehaus (Zeichnung A. Jenke, 1982)
Die Kapelle in Lemmie im Jahr 1992

neue Ansichtskarten und Fotos

im März 2017 neu:

Franzburg 1911

Türmchen mit Bierwagen

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