Franzburg

Franzburg 1960

Im Jahre 1650 ließ Franz Ernst von Reden anstelle einer mittelalterlichen Befestigung (Castrum) das ‚Castrum Franzburg’ erbauen, dem ein Rittergut angeschlossen war.

Nach einigen Wirren durch die Jahrzehnte kam die Franzburg in den Besitz von Otto von Reden, Kammerherr seiner Königlichen Hoheit des Herzogs von Cumberland.

Der letzte Besitzer der Franzburg war Ottomar von Reden (geb. 1888). Dieser betätigte sich erfolgreich als Kommunalpolitiker und hatte erheblichen Anteil an der unblutigen Kapitulation Gehrdens im Jahr 1945. 1959 schenkte von Reden unfangreiche Ländereien, das Herrenhaus, den Gutspark und den Gutshof dem Landkreis Hannover. Auf einem dieser Grundstücke, der so genannten 'Kuhweide’ wurde das heutige Klinikum Gehrden erbaut.

Ottomar von Reden starb als Ehrenbürger der Stadt Gehrden 1959.

Aufgrund der Baufälligkeit wurde das alte Herrenhaus im Oktober 1967 abgerissen. Erhalten geblieben ist der Ottomar-von-Reden-Park mit seinem wertvollen, historischen Baumbestand.

Vom Herrenhaus führte damals eine prächtige, hallenartige Allee zu einem schmiedeeisernen Tor mit einem für das Rittergut angefertigten Wellenmuster. Die gedachte Verlängerung der Allee führt zum Köthnerberg (137 Meter), wo sich unter Bäumen ein Waldfriedhof mit dem Familienbegräbnisplatz der Familie von Reden befindet.

Rittergut Franzburg und Franzburger Kirchhof auf dem Gehrdner Berg um 1903

Über den idyllisch gelegenen Franzburger Kirchhof ist zu lesen:

 

Dieser Begräbnisplatz lehnt sich an die Forst an mit freier Aussicht auf die dorfbesäte Ebene nach Hannover hin; die bauliche Anlage dieses schönen Platzes erinnert an das Bild einer Klosterruine, deren Gärtchen oder Hof würdig befunden ist, seinem jetzigen Zwecke zu dienen; zwei mächtige wohlerhaltene Leichensteine aus dem 15. Jahrhundert zieren den Eingang durch die mit einem Kreuse geschmückte Überwölbung des Tores.

Dieser Begräbnisplatz ist 1872 errichtet von dem jetzigen Besitzer Franzburgs kurz vor dem Tode seiner hochbetagten Eltern, weil das unter dem Chor der Kirche zu Gehrden gelegene Gewölbe seiner würdigen Bestimmung nicht entsprach.

 

aus: Die Rittergüter der Fürstentümer Calenberg, Göttingen und Grubenhagen, Osnabrück 1912

Franzburg 1911

Franzburg um 1935
Rittergut Franzburg bei Gehrden um 1935
Der historische Löwe aus dem früheren Königlichen Marstall im Park von Rittergut Franzburg

Die Franzburg

 

Originaltext von 1912

 

Das Rittergut Franzburg, Kreis Linden, Amtsgericht Hannover, Fürstentum Calenberg, liegt auf Mitte Weges zwischen dem Deistergebirge und der Stadt Hannover, von beiden je 11 km entfernt und mit beiden verbunden durch den elektrischen Betrieb der Straßenbahn, hat Post und Telegraph in Gehrden ½ km, Bahnstation Weetzen 2 ½ km sowie Telefon im Wohnhaus, Anruf: Weetzen Nr. 30, hat ferner auch seit 1890 elektrische Beleuchtung jedes Raumes des Wohn- und Nebengebäudes, des Hofes sowie der Stallungen, Speicher, Scheunen und Keller, auch Kraftanlagen und Wasserleitungen bei reichlichem Vorrate an gutem Quellwasser.

 

Das Gut ist mit der Stadt Hannover sowie mit jedem einzelnen Orte des Kreises Linden und innerhalb der Peripherie eines Radius von 12 km mit reichlich 12 Bahnhöfen, auch mit mehreren nahegelegenen Zuckerfabriken durch gut chaussierte Straßen verbunden; seine Gesamtgröße von 330 ha 56 a enthält: 263 ha 89 a Garten- und Ackerland, 20 ha 63 a Wiesen, 46 ha 4 a Eichen- Buchen-, Fichten-Hochwald. Die übliche Viehhaltung besteht aus: 24 Pferden, 50 Stück Hornvieh, 400 Schafen, 60 Schweinen.

 

Alle Ländereien haben fruchtbaren Lehmboden in ebener Lage, sind sämtlich dräniert und stehen in Tiefkultur seit dem Jahr 1857, wo die Fabrik Neuwerk als zweite Zuckerfabrik des Königreiches Hannover unweit Gehrden errichtet wurde unter Beteiligung des Gutes Franzburg. Der Untergrund birgt weder Erze noch Kohlen oder Öle, auch keine Steinlager, dagegen ein mehrere hundert Meter starkes Lager von reinstem Steinsalz, darunterliegend hochprozentiges Kali, dessen Ausbeute verpachtet ist an die Gewerkschaft Deutschland bis zum Jahre 1997, die schon jetzt günstig fördert.

 

Die Franzburger Feldmark erfreut sich einer besonders günstigen Arrondierung, die Verbindung ihrer einzelnen Koppeln ist nur durch drei Landstraßen, aber an keiner Stelle durch fremdes Eigentum unterbrochen, infolgedessen ein eigener Jagdbezirk besteht, der inklusive einiger enklavierter Gehrdener Grundstücke etwas 400 ha umfaßt. Die Bewirtschaftung des Gutes genießt manche Vorteile eines überaus regen Verkehrs, gleichzeitig aber auch die Nachteile des Einflusses nahegelegener Fabriken, Bergwerke, Kaliwerke und der Stadt Linden auf die Arbeiterverhältnisse, hat aber auch stark zu leiden unter dem Andrange eines Publikums der Großstadt, welches sich hierher „aufs Land“ begibt, um durch Zerstörung von Anlagen und Früchten in Wald und Feld seine Tatkraft zu dokumentieren.

 

Etwa zwei Dritteile des jetzigen Gutes bilden ursprünglich ein „Lehngut Gehrden“, Vorbesitzer desselben waren „die v. Süerssen“. Nach dem Erlöschen dieser Familie wurde Franz v. Reden 1590 belehnt mit dem „Gute Gehrden“. Er war der Sohn der mit Erich v. Reden verheirateten Dorothea v. Süerssen, Tochter des letzten „v. Süerssen“. Das Castrum genannten Gutes lag in Gehrden da, wo jetzt die Franzburger Arbeiterwohnungen liegen (heute, 2013, die Schaumburger Straße) und etwas fließendes Wasser die Füllung der Gräben ermöglicht hat, deren Lage noch deutlich erkennbar war, bevor zur Herstellung von Gartenland gründliche Planierungen vorgenommen wurden.

Tagelöhnerhäuser in der Alten Straße (heute Schaumburger Straße) um 1920

Authentische Nachrichten über Anlaß der Zerstörung der kleinen „Burg Gehrden“ liegen nicht vor, die Tradition nennt eine Feuersbrunst zu Kriegszeiten; gewiß ist nur, daß Franz v. Reden um 1650 das Castrum an seiner jetzigen Stelle neu erbaute und ihm den Namen „Franzburg“ gab. Der letzte Nachkomme seiner Linie, Friedrich von Reden, vermählt mit Anna v. Pomiani, starb 1777 ohne männliche Deszendenz; seine Güter Reden – Harkenbleek – Gleidingen – Hüpede und Franzburg wurden in Besitz genommen von den Gebrüdern Wilken und Johann v. Reden; sie konnten auf Grund eines tadellosen Stammbaumes nachweisen, daß in der zehnten Generation aufwärts ihr Vorfahre Wulbrand 1360 und Berthold 1376, ein Vorfahre des zu Gehrden verstorbenen Friedrich, Brüder gewesen. Sämtliche Güter und deren Gebäude befanden sich in völlig verwahrlostem Zustande, standen in Konkursverwaltung und wurden erst nach längeren prozessualischen Verhandlungen überwiesen an Wilken, Drost zu Ahlden, und Johann, Feldmarschall. Letzterer starb kinderlos, Wiken aber überließ die Güter seinem Sohne Friedrich Otto. Dieser, der Großvater des jetzigen Besitzers, versah das Castrum Franzburg (Anmerkung: 1780) mit neuen Gebäuden, bewohnte und bewirtschaftete das Gut 53 Jahre lang und feierte daselbst auch seine goldene Hochzeit mit seiner Gemahlin Eleonore, Tochter des 1761 bei Grünberg gefallenen Kavalleriegenerals Friedrich v. Reden.

 

Ihm folgte sein Sohn August Wulbrand, Oberforstmeister und Landschaftsrat, vermählt mit Henriette v. Wurmb, Tochter des bei Burgos gefallenen W. v. Wurmb, Major der Königlich englisch-deutschen Legion; er kaufte einen Halbmeierhof und einen gräflich Rhodeschen Sattelhof in Gehrden und bewirtschaftete das dadurch um 70 ha vergrößerte Gut bis zum Jahre 1862, wo er es in Form antezipierter Erbfolge abtrat an seinen ältesten Sohn, damals Oberleutnant im Königin-Husarenregiment zu Lüneburg. Dieser, der jetzige Besitzer, Kammerherr Seiner Königlichen Hoheit des Herzogs v. Cumberland, vergrößerte Franzburg um 40 ha durch Ankauf von Ländereien in Gehrden, wovon ein Teil verpachtet ist zum Preise von 60 Mark pro Morgen.

 

Seit 1862 ist der jetzige Besitzer verheiratet mit Auguste v. Bobers, Tochter des Obergerichtsdirektors v. Bobers-Göttingen; er hat den ältesten seiner fünf Söhne Ido, zurzeit Konsul in Lemberg, zum alleinigen Erben ernannt, der dann in Besitz eines Gutes gelangt, welches über 130 Jahre hindurch in drei Generationen seiner Besitzer bewohnt und bewirtschaftet gewesen, von denen jeder derselben daselbst seinen 80. Geburtstag, vereint mit seiner Gemahlin, gefeiert hat.

 

Sämtliche jetzt in Franzburg vorhandenen Baulichkeiten sind 1780 neu ausgeführt aus Fachwerk von Eichenholz und befinden sich dank rechtzeitig ausgeführter Reparaturen in gutem Zustande. Das Wohnhaus ist zweistöckig, sehr geräumig, liegt vor einem parkartigen Garten mit kleinen Teichen und schönen, alten Bäumen, im Anschluß an den Wald.

  

aus: Die Rittergüter der Fürstentümer Calenberg, Göttingen und Grubenhagen (1912)

Rittergut Franzburg mit dem Löwen im Vordergrund
Rittergut Franzburg mit Gärtnerei um 1955
Luftaufnahme von Gehrden. Unten links das Rittergut Franzburg - 1964

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Franzburg 1911

Türmchen mit Bierwagen

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